Im Mai haben wir euch dazu aufgerufen, uns eure Geschichte zur Energiewende zu schicken. Die Entscheidung der Jury ist jetzt gefallen, die Gewinner stehen fest. Wir bedanken uns bei allen Teilnehmern für ihre Einsendungen und gratulieren den Glücklichen ganz herzlich.

Hier das Statement der Jury:

Mit diesem 2015 erstmals gestarteten Wettbewerb haben die Energieblogger dazu aufgerufen, diesem nun seit Jahren gesellschaftlich brisanten Topthema auch ein persönliches Gesicht zu verleihen. Ob sachlich oder fiktiv, ob Text, Video oder Audio – alle Interessierten waren eingeladen, ihrer subjektiven Sicht, ihren individuellen Erfahrungen oder Visionen zum Thema Energiewende in einer persönlichen Geschichte Ausdruck zu verleihen.

Auch wenn die Wettbewerbspremiere noch nicht von übermäßiger Resonanz geprägt war – 19 Einreichungen waren zu verzeichnen -, so zeigt doch die Bandbreite von formalen und inhaltlichen Zugängen, wie unterschiedlich das Thema Energiewende erfahren und auf welch heterogene Weise es erzählt werden kann.

Die Jury hat sich die Entscheidung über mögliche Preisträger nicht einfach gemacht. Sie hat sich daher entschlossen, trotz der begrenzten Ausgangsbasis das Preisspektrum auszuschöpfen. Einerseits, um der Vielfalt der eingereichten Beiträge ein wenig gerecht zu werden, und andererseits, um die erstmaligen Wettbewerbsteilnehmer zu ermutigen, am Thema dran zu bleiben und insgesamt für weiteres Storytelling zu motivieren.

Die Jury sieht dafür durchaus zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten, allerdings auch Optimierungspotenzial in den Konturen und im Marketing eines solchen Wettbewerbs. Darauf sollte bei einer Fortsetzung geachtet werden, nicht zuletzt um die Teilnahme spürbar auszuweiten.

Umso mehr freuen wir uns über alle erstmaligen Einreichungen und gratulieren den Preisträgern ganz herzlich. 

Diese Beiträge haben gewonnen:

Platz 1: „Ende Gelände“ von graswurzel.tv

Alle Räder standen still

Der Konflikt um die Zukunft der Kohleförderung in Deutschland erreichte am 15. August 2015 einen Höhepunkt. Unter dem Motto „Ende Gelände“ drangen gut tausend Demonstranten in den Braunkohle-Tagebau in Garzweiler ein und besetzten einen der riesigen Schaufelradbagger. Das dokumentarische Video folgt den Aktivisten von ihrem Camp bis zum Ende der Aktion im Polizeikessel.

Der Beitrag veranschaulicht in exemplarischer Form wichtige Prinzipien des Storytellings.

Das Video beginnt mit einer packenden Einstellung, die aus einem amerikanischen Thriller stammen könnte. Ein Mann im weißen Schutzanzug läuft durchs Bild, während im Hintergrund der Lärm eines Helikopters zu hören ist. Anschließend werden in kurzen O-Tönen die Protagonisten vorgestellt, die sich in Richtung Tagebau auf den Weg machen. Im zweiten Akt eskaliert der Konflikt, es geht im wahrsten Sinne des Wortes bergab. Die Aktivisten müssen sich mit Polizei und Werkschutz auseinandersetzen und riskieren beim Abstieg in den Tagebau ihr Leben. Der dritte Akt endet mit einem dramatischen inszenierten Patt: Die Demonstranten sitzen in ihren weißen Schutzanzügen auf dem Grund der Grube, eingekesselt von dunkel gekleideten Polizisten.

Die vielleicht größte Stärke des Beitrags besteht aber darin, dass er seinen deskriptiven Standpunkt konsequent beibehält. Es bleibt also letztlich dem Zuschauer überlassen zu entscheiden, wie er die Protestaktion beurteilt. Das Video ist damit ebenfalls ein herausragendes Beispiel für die dokumentarische Arbeitsweise von „graswurzel.tv“.

http://graswurzel.tv/p253.html

Platz 2: „Lola – You may say I’m a dreamer“
von Antonia Becher, Qi Kang Chen, Daniele Ferro, Susanne Klaar, Kristin Meyer, Caro Noemi Stoeckermann

Beim Wettbewerbsbeitrag „Lola“, bei YouTube unter dem Titel „You may say I’m a dreamer“ veröffentlicht, handelt es sich um ein liebevoll gestaltetes Stop-Motion-Video. Das Mädchen Lola bewegt sich auf seinem Rad mit Engelsflügeln durch eine im Scherenschnitt komponierte Traumwelt. Die Energiewende offenbart sich dabei zumeist eher implizit in assoziativen Traumbildern, Kraftwerke mutieren auch schon mal zu harmlosen Schachfiguren, bis Lola schließlich beruhigt wieder in ihr papierenes Schlafgemach zurückkehren kann.

Obwohl bereits 2013 im Rahmen der Sommeruniversität des KMGNE (Kolleg für Management und Gestaltung nachhaltiger Entwicklung, Berlin) produziert, ist dieses Video doch eine zeitlose Ermutigung, den Traum von einer nachhaltigen Zukunft – jenseits der Energiewende – nicht aufzugeben.

https://www.youtube.com/watch?v=kZ1eQaFj-Hg

Platz 3: „Ein langer aber erfolgreicher Weg“, Andreas Lieb

http://www.sma-sunny.com/wp-content/uploads/2015/11/Ein-langer-aber-erfolgreicher-Weg.pdf

Zurück aus der Zukunft

Die Geschichte spielt am 16. Mai 2060. Die siebzigjährige Aufsichtsratsvorsitzende einer Energiegenossenschaft verabschiedet sich in den Ruhestand und blickt aus diesem Anlass auf ihr Leben zurück. Sie hat die Energiewende von ihren Anfängen im Jahre 1990 bis zur ihrer Vollendung miterlebt und selbst aktiv mitgestaltet.

Die Science-Fiction-Story verknüpft detaillierte Schilderungen technischer und politischer Sachverhalte mit dem Schicksal einer sympathischen Protagonistin. Besonders beeindruckend ist das Fachwissen des Autors – er erzählt die Geschichte der Energiewende von 1990 bis 2015 fundiert, kenntnis- und faktenreich und extrapoliert die weitere Entwicklung in einem plausiblen Szenario.

Platz 4: „Das Geschenk“, Tim Stelzer

http://www.sma-sunny.com/wp-content/uploads/2015/11/Das_Geschenk_TStelzer.pdf

Am Esstisch nichts Neues

Der Konflikt um die Energiewende ist in erster Linie ein Generationenkonflikt: Die Vorteile der fossilen Energieerzeugung liegen ausschließlich in der Gegenwart, die schwerwiegendsten Nachteile dagegen in der Zukunft. Der Autor konkretisiert diese abstrakte Erkenntnis am Beispiel einer typischen Mittelschichtsfamilie, deren spannungsgeladene Interaktionen über drei Generationen hinweg er mit fotorealistischer Akribie schildert. Das Ergebnis ist ein zermürbender Stellungskrieg von einer Geschichte, in der sich die Parteien mit stetig eskalierender Lautstärke beharken, bis eine überraschende Kapitulation Hoffnung auf Frieden weckt.

Der Beitrag ist im besten Sinne literarisch. Er ist zum einen gut geschrieben und leicht zugänglich (wohl jeder hat einen ähnlichen familiären Disput schon einmal selbst miterlebt), zum anderen aber auch vielschichtig: Die Diskussion am Esstisch reflektiert nicht nur die nationale Debatte über die Energiewende, sie spiegelt sich auch in den Requisiten, vom knirschenden Scharnier der Spülmaschine bis zur langsam mahlenden Kaffeemühle der Großmutter.

Vielen herzlichen Dank im Namen aller Energieblogger an die Jury und die Sponsoren, ohne die dieser Wettbewerb nicht stattgefunden hätte.

 

Die Jury:

 

 

 

Mathias Gößling

Mathias wohnt in Münster und arbeitet als freier Texter mit den Schwerpunkten Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit.

www.zumathiasbitte.de

„Kleiner Tipp: Ich liebe Happy Endings. Vor allem, wenn es um die Energiewende geht!“

 

 

 

Wibke Ladwig

Wibke begleitet als Social Web Ranger mit ihrer Kölner Sinn und Verstand Kommunikationswerkstatt Unternehmen im Landschaftsraum Internet. Sie berät, konzipiert und bloggt zu den Themen Storytelling und Social Media.

www.sinnundverstand.net

„Ich freue mich auf Geschichten, die den sperrigen Begriff Energiewende mit Leben füllen. Geschichten, durch die der Wind weht!“

 

 

 

Michael Matthiass

Michael lebt in Hamburg und ist Autor, Dozent, freier Kreativdirektor und Jung von Matt-Veteran.

quantenschokolade.de

„Ich halte die Energiewende für die größte nichterzählte Geschichte unserer Zeit.“

 

 

 

 

Friedrich Hagedorn

Friedrich Hagedorn leitet im Grimme-Institut den Grimme Online Award und den Arbeitsbereich Medienbildung. Mediale Nachhaltigkeitskommunikation ist einer seiner Arbeitsschwerpunkte.
Zum Storytelling (openbook.nachhaltigkeitskommunikation.de) schreibt er:

„Die Energiewende steht für einen nachhaltigen Umbau unserer Gesellschaft. Das bedarf einer neuartigen „großen Erzählung“ mit vielen „kleinen Geschichten“.

 

Schirmherrschaft:

 

 

 

Klaus Eck

Klaus Eck ist Geschäftsführer der Eck Consulting Group. Als Blogpionier (http://pr-blogger.de) im Bereich der Public Relations hat sich Eck in den sozialen Medien früh einen Namen gemacht und sich intensiv mit dem Thema Storytelling befasst.

 

Sponsoren:


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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